VENEDIG!

Ihr seht schon an der Überschrift, ich habe gar nicht erst versucht, eine besonders einladende, Neugier weckende Formulierung zu finden, die braucht es hier nicht. Einfach nur: VENEDIG.

Diese wunderbare Stadt, die wir bereits vor Jahren mal für einen Tag besucht haben, hat uns aufs Neue mehr als fasziniert. Deshalb seht es uns nach, wenn wir uns in Schrift und Bild eventuell einen Tick zu überschwänglich zeigen.

Wir finden wiederum den perfekten Ausgangspunkt für dieses kleine Abenteuer. Ein großzügig angelegter Campingplatz (auch hier keine andere Möglichkeit und außerdem: Bäume = Schatten! Bei 32 Grad unbezahlbar!) nur 700m zur Schiffsanlegestelle und 2km zum Strand. Und beides kostenlos mit einem Bus zu erreichen, dessen Haltestelle sich exactement am Eingang des Platzes befindet.

Schon die Hinfahrt mit dem Boot ist ja ein Erlebnis. Jeder, der schon mal auf diesem Weg nach Venedig fuhr, weiß, welch eindrucksvolles Bild sich bietet bei der Anfahrt auf die Stadt-Kulisse.

Der Eindruck wird ein klein wenig getrübt in dem Moment, in dem man den Markusplatz erreicht, weil sich die Touristen in Scharen über den Platz, diesen wunderschönen, von gigantischen Gebäuden gesäumten Platz, schlängeln und jeder das beste Foto für sich erwischen möchte. Die Schlange an der Basilika de San Marco war so lang, dass wir uns aus Zeitgründen gegen eine Besichtigung entschieden (da hätten wir doch mal wieder vorbuchen sollen …) und genießen die (Wasser-) Straßen der Stadt. Auf diese Art und Weise behalten wir gerne auch Ziele für ein nächstes Mal.

Auch auf den dem Platz nahen Hauptgassen herrscht noch reges Leben, was sich sichtbar auch auf die Gondel-Touren erstreckt, bei denen zeitweise ein regelrechter Stau entsteht.

Aber sobald wir diesen inneren Zirkel verlassen haben, eröffnet uns die Stadt ihren Zauber. Wir laufen Meter um Meter, jeder Blick um die nächste Ecke ist ein Oh! und Ah! – und für Paul? Na klar, natürlich ein Fotomotiv. Wir können uns nicht satt sehen.

Ein Laden mit selbst gemachten Pasti

Auffällig sind die vielen Geschäfte mit Masken und ganzen venezianischen Verkleidungen. Wir lassen uns verzaubern, bewundern die Vielfalt und vor allem die künstlerische, liebevolle Handarbeit …

… und können nicht umhin, uns für den nächsten Fasching auszustatten.

So schlendern wir also vom zentralen Viertel San Marco über die berühmte Rialtobrücke ins Viertel San Polo und wieder zurück ins Universitätsviertel. Immer wieder sinnieren wir, wo wohl die wunderschöne Terrasse des Commissario Brunetti und seiner Familie sein könnte – und sind sicher, dass er das ein oder andere Mal mit dem Boot an uns vorbeigefahren ist.

Voller herrlicher Eindrücke im Herzen fahren wir wieder zurück und legen unsere müde gelaufenen Beine hoch.

Gerade haben wir den Tisch gedeckt, da wird es windig und die ersten Tropfen fallen. Bereits seit zwei Tagen haben wir nachts heftige Gewitter, morgens scheint dann wieder die Sonne.

Wir räumen schnell alles wieder weg und fahren die Markise ein. Die beste Entscheidung, denn am heutigen Abend wird’s gruselig. Anfangs amüsieren wir uns noch über eine Familie, die dem Wetter strotzt und trotz Wind und Regen weiter stoisch zu Abend isst.  Kurze Zeit später sehen wir sie förmlich an den Seilen der Markise „hängen“, alles schnell wegräumen und dann von Kopf bis Fuß durchnässt ins Wohnmobil spurten.

Der Wind wird immer heftiger, der Regen prasselt aufs Dach und plötzlich beginnt es zu stürmen und in dicken Körnern zu hageln. Wir verstehen uns nicht mehr, also nur unsere Worte (;)) so laut ist es geworden. Der Sturm weht praktisch waagrecht und wir sehen im Dunkel einige größere Dinge durch die Luft fliegen und hoffen, dass das Auto und unsere Dachluken dem ganzen standhalten können.

Am nächsten Morgen eröffnet sich das ganze Chaos: der Campingplatz sieht schlimm aus. Blätter und Äste liegen herum und wir schauen als erstes aufs Dach – dort ist alles in Ordnung. Leider hat die gesamte Fahrerseite gelitten und weist Dellen der Hagelkörner auf.

Der Ärger darüber ist jedoch schnell verflogen, denn es ist ja nichts Schlimmeres passiert. In den nächsten Tagen hören wir von den vielen Unwettern in anderen Gegenden Norditaliens und Griechenland – na, das ging ja noch gut ab bei uns.

Für uns steht nun der Besuch der Biennale auf dem Programm, gestern war Montag und leider geschlossen (!). Damit hatten wir nicht gerechnet und wir entscheiden aus Zeitgründen, dass sich unser Besuch auf das Ausstellungszentrum Arsenale beschränkt. Auch hier hat der Sturm in drei Pavillons Schäden hinterlassen, dennoch ist es sehr interessant, manchmal auch amüsant. Kunst ist eben Kunst – und liegt immer im Auge des Betrachters. Der Leitspruch des Kurators Ralph Rugoff jedenfalls ist definitiv umgesetzt:

“May You Live In Interesting Times” (Mögest du in interessanten Zeiten leben) – das tun wir ohne Frage. Und auch seinem Statement “Das Wichtigste, was eine Ausstellung tun kann, ereignet sich, wenn man sie wieder verlassen hat. Die Menschen gehen in die Welt hinaus und sehen sie anders“ hat seinen Sinn.

Nach einem weiteren Bummel durch den Stadtteil Castello und der Nachricht meiner ‚StepsApp‘: „13.214 Schritte, großartig! Du hast dein Ziel erreicht!“, suchen wir dringend Erholung und landen in einem kleinen Lokal direkt am Kanal. Das Leben kann so schön sein.

Ein weiterer wunderschöner Tag geht zu Ende …

Auch ein Erholungstag muss mal sein, deshalb haben wir einen gemütlichen Tag mit ‚Ordnung schaffen‘ und einem kurzen Besuch am Strand eingelegt.

Der letzte Tag nun gilt Murano, der Glasbläserinsel. Wir wählen den Wasser-Weg über die vielen Inseln um Venedig herum, weil wir dieses Fortbewegungsmittel genießen, das hier in der Tat das Auto, bzw. den Bus ersetzt und eben deshalb so selbstverständlich genutzt wird. Geschäftsleute wie Hausfrauen vom oder zum Einkauf und Touristen begegnen sich auf dem Boot und es ist eine interessante Mischung. Pünktlich geht auch alles vonstatten und nach drei kurzen, versierten Stopps an anderen Inseln kommen wir auf Murano an.

Natürlich dominiert Glas. In allen Variationen. Vom kleinsten Ohrring bis zum riesigen Kronleuchter gibt es alles. Wirklich alles. Wir schauen und staunen – und erleben eine sehr nette kleine Vorführung in einem Familienbetrieb, die sehr beeindruckend ist.

Eines dieser Pferde wurde vor unseren Augen gefertigt. Sehr beeindruckend.

Die Stadteindrücke sind Venedig ähnlich, natürlich …

… und so entscheiden wir uns für die Rückfahrt nach Venedig mit einer Schiffs-Verbindung in den Stadtteil Cannaregio, der uns noch sehr interessiert und nicht ganz so touristisch ist. Diese macht noch einen kurzen Stopp an der Friedhofsinsel (!). Das ist sehr besonders für uns. Alle Verstorbenen werden auf einer Insel begraben, die nur aus Gräbern und einer Kapelle besteht. Sie gehen mit dem Schiff auf ihre letzte Reise … das ist auch schön.

Unsere Entscheidung durch Cannaregio zu laufen war eine gute Idee. Schon bald sehen wir eine der vielen Osterias, in Venezien nennt man sie Bàcaro, in der wir gleich erstmal einkehren. Das ist ja so eine Besonderheit, die ich euch noch kurz beschreiben muss. Die Venezianer, ob Künstler oder Studenten, die den Tag beginnen, ob Handwerker oder die Signora beim Einkauf zu einer kurzen Pause oder die älteren Herren, die die Weltpolitik besprechen wollen, tun dies ab 11:00h morgens in einer Bàcaro. Die Ombra, ein Gläschen Wein (immer nur 0,1l) und dazu einige cicchetti, ein paar Häppchen, bestehend aus ein paar Muscheln, eine Scheibe Salami, Stockfisch oder belegten Mini-Brötchen, unterbricht den venezianischen Alltag immer wieder für ein paar köstliche Minute. Sie erinnern sehr an die spanischen Tapa-Kneipen und die Häppchen sind genauso köstlich.

Nur mal so als „Größe“: in Venedig werden täglich ca. 50.000 ombre getrunken, eine Zahl die anschaulich vor Augen führt, dass es sich bei dem Treffen in der Osteria nicht um eine extravagante Schlemmerei, sondern um ein Ritual handelt, das man gleich mehrmals am Tag wiederholt. Also das hat uns gut gefallen! 😉 Man zahlt dann ganz zum Schluss, so kann man nach Lust und Laune ‚nachlegen‘.

Die Einheimischen ..
… und wir! 🙂

Ein paar Häuser weiter sehen wir gerade den Maître de cuisine in einem kleinen Druckerei-Laden verschwinden und so zieht er, der Laden, seine Aufmerksamkeit auf uns. Das merkt der Besitzer und lädt uns ein, hereinzukommen und zeigt uns mit stolzer Brust, aber auch launig, dass nicht zu viel Aufhebens darum gemacht werden soll, viele ausgestellte Zeitungsberichte, in denen er als „Figlio di Gutenberg“, als „Sohn Gutenbergs“ geschildert wird. Er ist einer der wenigen Drucker, die noch ohne technische Hilfsmittel auskommen. Er druckt jede Seite von Hand, wartet seine Druckmaschinen selbst und hat die berühmtesten Kunden auf der ganzen Welt. Jedoch, so erzählt er uns, möchte er, dass jeder in seine Werkstatt kommt, damit er die Menschen kennenlernt, für die er arbeitet, denn für jeden tut er es nicht. Und das nehmen wir ihm sofort ab.

Gerne zeigt er uns auch noch sein kleines Museum mit alten Lithographien, Ornamenten und Wappen, sowie Visitenkarten und Einladungen.

Das sind Erlebnisse, die man nicht vergisst. Zufälle, die unsere Reisen so interessant machen. Auch wenn wir das eine oder andere Highlight links liegen lassen, weil wir eher nachlässig vorbereitet reisen, finden wir doch aufgrund dessen immer wieder Perlen, die nicht jeder sieht. Das macht uns zufrieden.

So, ihr Blogleser da draußen, wer bis hierher durchgehalten hat, verdient unseren Respekt. Konnten wir unsere Begeisterung und die Liebe zu Venedig transportieren?

Venedig, wir kommen ganz sicher wieder – und dann nehmen wir auch Museen ins Programm und endlich, endlich den Palazzo Ducale, den Dogenpalast. Versprochen. Ein solch beeindruckendes Gebäude, schon 1340 begonnen und wird ‚die venezianische Antwort auf den Palastbau‘ dieser Zeit genannt.

Wir grüßen von dieser Stelle herzlich in die Welt, denn es erfüllt uns mit Stolz, inzwischen Leser in vielen Ländern der Welt zu haben!

Eure Weltenbummler Barbara & Paul

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Der kleinste Grenzübergang unserer Reise – und eine interessante Stadt

Wir haben uns zur Erreichung unseres neuen Zieles Triest für die kleinen Straßen entschieden. Einerseits, um die Maut zu sparen, andererseits, um auf unserer 7-Länder-Tour zumindest ein Stückchen Slowenien intensiver zu erleben.

Unser Navi hat das sehr wörtlich genommen und führte uns durch die kleinsten Ortschaften in Richtung Italien, und so war auch der Grenzübergang mitten in einem Wohngebiet auf einer ganz normalen Straße. Einen solchen Grenzübertritt hatten wir noch nie.

Das fanden wir lustig, der eine Nachbar links ist Slowene, der rechts ist Italiener. Die Vermischung ist in diesem gesamten Gebiet eh sehr groß. Das bringt schon die Geschichte der Region mit sich. Aber dazu bei Triest mehr.

Eigentlich stehen wir ja mit unserem Wohnmobil gerne auch frei, an schön gelegenen Stellen, ein wenig abseits des Geschehens, wir sind ja für mindestens 3 Tage völlig autonom von Wasser (100-Liter-Tank) und Strom (Solar). Aber in diesem Urlaub haben wir entweder Städtereisen, da müssen wir unseren Roller aus der Garage holen, das geht am besten und sichersten auf einem Campingplatz, oder die Straßen sind so eng und steil, dass es noch nicht einmal Parkplätze gibt. Also gibt das die ultimative Campingplatzreise, wobei wir ja wirklich so viel Glück mit unseren recht einsamen und schön gelegenen Plätzchen haben, dass wir kaum spüren, nicht frei zu stehen.

So auch hier in Triest. Wir finden ganz überraschenderweise einen naturgelegenen Campingplatz mitten in einem Wäldchen, hoch über der Stadt, einem Wandergebiet. Herrlich! Fast nur Italiener, die meisten Triester selbst, die die Wochenenden hier oben verbringen. Uns gefällt die Atmosphäre sehr gut und wir fühlen uns sogleich wohl.

Nach einem gemütlichen Abendessen und einer erholsamen Nacht in guter Luft schwingen wir uns auf unseren Roller und stürzen uns ins italienische Rollerleben! Wir haben ja nun schon viel Erfahrung, aber nirgends auf der Welt fahren die Menschen so viel und so verrückt Roller. Es macht einen Riesenspaß und wir finden auch noch ein einziges Plätzchen in der großen Reihe ganz in der Nähe des Piazza dell’Unità d‘Italia

Dieser Platz ist einer der größten Plätze der Welt, die direkt ans Meer grenzen. Großzügig und mondän präsentieren sich uns die Bauten an dem zum Meer hin offenen Platz. Drei Paläste im Stil des 19. Jahrhunderts, einer davon im Jugendstil, rahmen ihn förmlich ein.

Der Hafen der Stadt zeigt die ungewöhnliche Geschichte sehr deutlich. In unmittelbarer Nachbarschaft zu Slowenien und Kroatien gelegen und politisch über 500 Jahre mit der k.u.k.-Monarchie verbunden entwickelten Kunst und Kultur hier ein eigenständisches Profil.

Von 1382 bis 1919 gehörte es zu Österreich. Nach dem 1. Weltkrieg wurde Triest Italien zugesprochen und zu einem Zentrum des Schiffsbaus. 1945 fiel es in die Hand von Titopartisanen und wurde zum Streitobjekt zwischen Italien und Jugoslawien. 1947 wurde die Stadt Freistaat und erst 1954 wieder italienisch. Mehr Geschichte wollen wir euch und uns nicht zumuten, deshalb lassen wir noch ein paar Fotos dieser interessanten Stadt sprechen.

Auch einen Canale Grande gibt es hier, worüber wir, unvorbereitet wie wir manchmal sind, sehr überrascht waren. 😉

Kathedrale San Giusto
Der Hafen

Fotos

Vor unserer Weiterfahrt nach Venedig nehmen wir noch einen Tipp von Uschi auf, Hannes‘ Freundin, ihr erinnert euch, Familienbande von Paul. Sie empfahl uns den Rilkeweg, einen herrlichen Steil-Küstenweg nach Duino zu laufen. Hier auf dem Schloss Duino hat Rilke seine Duineser Elegien begonnen zur schreiben.

„… Nicht nur die Morgen alle des Sommers,

nicht nur wie sie sich wandeln in Tag und strahlen vor Anfang.

Nicht nur die Tage, die zart sind um Blumen,

und oben, um die gestalteten Bäume, stark und gewaltig …“

-Aus den Duineser Elegien-

Also machen wir uns auf die Spuren Rilkes – und finden einen in der Tat herrlichen Wanderweg an der Steilküste entlang der Klippen über dem Meer mit Blick auf das Schloss Duino.

Auch hier Muschel- und Austernzucht
Fast am Schloss Duino angekommen …

Damit verabschieden wir uns erstmal wieder, um die Stadt Venedig, in der wir uns bereits befinden, zu erforschen, zu genießen und für euch einen möglichst interessanten Ausschnitt auszuarbeiten. Was schon alleine bei der Anzahl der schon jetzt vorhandenen Fotos ein wenig Zeit in Anspruch nehmen wird!

Es grüßen euch ganz herzlich

eure Weltenbummler Barbara und Paul

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Kroatia Istria Romantica

Wir sind schon sehr auf das kroatische Istrien gespannt. Der kleine Ort Senj, direkt am Meer und malerisch am Hang gebaut, ist unser erstes Ziel. Die Landschaft die wir durchqueren unterscheidet sich enorm von der bisherigen. Da macht das Fahren wieder richtig Spaß! Wir sehen kleine, urige Ortschaften, häufig ein paar Weinberge dabei, kommen über ein einsames Hochplateau, das üppig grün bewachsen ist, wie übrigens ganz Kroatien herrlich grün ist, wie wir es gar nicht erwarteten. Und hier gibt es ganz besonders guten Honig, mit dem wir uns auch gleich versorgen.

Wir erreichen Senj in der Mittagshitze (ja, nicht nur in Deutschland gibt es Temperaturen über 30 Grad). Die Gassen sind recht leergefegt, aber auf einem großen Patz ist offensichtlich gerade ein sportliches Ereignis mit Schülern. Alles ist sehr un-touristisch und wir genießen diese Alltags-Atmosphäre kurz bei einem Cappuccino in einer der Kneipen in den schmalen Gässchen.

Dabei lesen wir, dass sich hier in der Zeit der Türkenkriege christliche Slawen angesiedelt haben. Im 16. Jahrhundert errichteten sie die mächtige Festung Nehaj, deren Ecktürme, es sind vier Stück an der Zahl, uns ganz besonders in Auge fielen. Und dass die schmalen Gassen mit den engen Durchgängen und dem Barockbrunnen an die habsburgische Vergangenheit erinnern.

Senj Hafen
Kleinster Vorgarten im Hitzesommer 😉


Die anschließende Küstenstraße ist mehr als spektakulär (!!) und erinnert uns sehr an die Cinque Terre in Italien. Steil abfallende Hänge und Mini-Badebuchten mit bunten, hoch aufgeschossenen Häusern. Leider können wir nirgends halten, um gute Fotos davon zu machen. Gegenüber liegen auch noch malerisch die karg wirkenden Inseln, das bekannte Krk fliegt an uns vorbei.

Wir finden unseren Übernachtungsplatz für die nächsten drei Tage in der Nähe des malerischen (ja, ich weiß, ich wiederhole mich, aber mir gehen die Vokabeln aus ;)) Labin mit seiner kleinen Altstadt, schon von weitem auf einem Hügel zu entdecken, das wir auch gleich näher in Augenschein nehmen.

Unser ländlicher, an der Weinstraße gelegene Campingplatz namens „Kamp Romantika“ toppt alles da gewesene. Offensichtlich gibt es hier viele Bauern und Winzer, die ein Stück ihres Landes für Camper und Wohnmobile herrichten und gleichzeitig auch eine nette Atmosphäre schaffen. Hier bei Mario ist sogar ein kleiner Swimmingpool, Duschen mit Musik und alles blitzeblank geputzt. Und noch dazu gibt’s Wein vom Chef de Place persönlich, und zwar von den Weinreben, vor denen wir gerade stehen! Heute Abend wird er getestet.

Noch eine kleine Story am Rande … wir hatten noch Paprika aus Ungarn im Kühlschrank und haben diese einfach alle mit in unsere Gemüsepfanne geschnipselt. Uiuiui, da wurde uns beim Essen bei dieser Hitze nochmal auf eine ganz andere Art und Weise heiß! 😉

Ach ja, hatten wir eigentlich von unserem kleinen Missgeschick berichtet, dass wir uns das Stromkabel abgerissen haben? Jedenfalls hatten wir das Glück, einen entsprechenden Stecker zu ergattern und hier konnte Paul nun Dank seinem großen Werkzeugkoffer alles reparieren.

Kleine Rollerausflüge führen uns einmal an die Spitze der Halbinsel auf den höchsten Punkt von  470m. Dort laufen wir auf einem kleinen Pilgerweg im Ort Skitaca zu einer Heilquelle, die wir allerdings leider ausgetrocknet vorfinden. Und wir hätten gerne ausprobiert, ob sie ihre angegebene Wirkung auf die Sehkraft entfaltet.  Es gibt da die Geschichte einer jungen Dame, die aus Enttäuschung darüber, dass an dieser Stelle keine Kirche errichtet wurde, auf den Berg gestiegen ist und bitterlich geweint hat. Und aus diesen Tränen sei die Quelle entstanden, die niemals versiegen sollte … nun, ab heute jedenfalls ist sie ausgetrocknet. 😉

Der Rückweg überm Berg fällt steil hinab zum Meer und ist eine echte fahrerische Herausforderung für Paul und unseren Roller. Auch die Schlaglöcher auf der Straße sind extrem. Und, da Paul versehentlich durch eines hindurchbrettert, beschwere ich mich bei ihm, „dass er mit mir auf dem Sozius doch nicht mit 70 durch diese Löcher durchrasen kann – und zwar weder mit dieser Geschwindigkeit, noch mit seinem Alter!!!“ – was er mir dann kurzfristig übelnahm, also nicht die Geschwindigkeit 😉

Am nächsten Tag rollern wir hinab ans Meer nach Rabac. In der Beschreibung des ADAC steht: „wo im kristallklaren, aquamarinblauen Meer weiße Boote in den seichten Wellen schaukeln“… und ich kann es einfach nicht treffender formulieren. Und obwohl inzwischen die gesamte Bucht mit Hotels und Restaurants zugebaut ist, hat dieses wunderschöne Fleckchen immer noch einen gewissen Zauber inne.

Unser Istrien-Entdeckungsgeist treibt uns schon wieder weiter – ca. 80 km weiter nördlich liegt Rovinj (vielen Dank an Arno und Karola für diesen Tipp!). Also, nachdem wir Rovinj besichtigt haben kommen wir erst so richtig ins Schwärmen. Was für ein romantischer Ort!! Jetzt muss ich mich bemühen, euch das gut zu beschreiben.

Wir haben uns aufgrund der überschaubaren Ausmaße der Stadt entschieden, unseren Roller in seiner „Garage“ zu belassen und den Bus zu nehmen, der auch direkt am Rande der Altstadt hält.

Die Stadt, deren Häuser eine im Meer liegende, hügelige Halbinsel komplett bis ans Meer ‚im Rund belagern‘, ist ein mittelalterlich-venezianisches Städtchen. Gekrönt wird es von der Basilika der heiligen Euphemia, deren Kupferstatue sich an ihrer Spitze im Wind dreht …

… und deren 61m hohen Campanile, den wir natürlich flugs über 189 Treppen bestiegen, um den einmaligen Blick über dieses Kleinod zu genießen. Die Treppen sind übrigens eine für uns einmalige Konstruktion, eine Mischung aus Holzstufen und Leitersprossen würde ich mal formulieren. Jedenfalls lustig zu begehen.

Und dann der Blick !!! … !!! … !!! Hier hilft erstmal nur ein Foto:

Anschließend schlendern wir auf dem historischen, von vielen Menschen in hunderten von Jahren abgelaufenen Steinpflaster durch dieses Geflecht von verwinkelten, mit Bars, Restaurants und Geschäften bestückten Gassen – und kommen nur sehr langsam voran. Nein, nicht wegen des rutschigen Steinpflasters, ihr werdet es erraten: es sind die Fotomotive! Jede neue Ecke, jede neue Gasse ist ein einziges Fotomotiv! Deshalb höre ich jetzt auf mit schreiben, sondern lasse den Fotografen unter uns sprechen:

Stilleben

Nach diesem Ausflug brauchte Paul den ganzen Abend, um die Fotos zu speichern, sichten und bearbeiten. Das hat sich aber gelohnt, oder ?

Auf dem Weg in das nächste historische Küstenstädtchen, Porec, kommen wir am Limski-Kanal vorbei, an dem nicht nur der Kanal an sich die Attraktion ist, sondern vor allem die dortige Austern-, Muschel- und Hummerzucht.

Porec kann nach unserem persönlichen Empfinden bei weitem nicht mit Rovinj mithalten. Die Stadt schafft es bis auf wenige Ausnahmen nicht, uns in ihren Bann zu ziehen. Auch hier sind die Gassen schmal und malerisch, aber es ist alles in einer Art touristisch, die ein wenig aufdringlich erscheint und so bleibt die Basilika am Ort das, was uns am nachhaltigsten beeindruckt – wobei die um die 2000 Jahre alte Hauptstraße das ohne Frage auch tut.

Unsere Ehrfurcht genießt die Euphrasius-Basilika, die Bischof Euphrasius schon im 6. Jahrhundert errichten ließ. 18 Marmorsäulen mit Tiermotiven gliedern den Innenraum in drei Schiffe.

Absoluter Glanzpunkt sind die fast 1500 Jahre alten Mosaike aus Millionen bunter Edel- und Halbedelsteine. Der Hauptaltar ist mit Silber verkleidet und über dem Triumphbogen ist Christus als Weltenrichter mit den zwölf Aposteln dargestellt. Das Bild möchten wir euch nicht vorenthalten:

Auf dem Gelände finden immer noch Ausgrabungen statt und es gibt auch einige Stücke aus den Anfängen des Bauwerkes zu sehen. Vor allem die Mosaike aus dieser frühen Zeit beeindrucken uns kolossal. Was haben Menschen doch schon alles geschaffen!

Wir lesen, dass die Anfänge des Christentums hier bereits im 3. Jahrhundert ein mutiger Mönch noch im Hinterzimmer seines Hauses begründet hat, er aber für die Ausübung seiner Religion einige Jahre später hingerichtet wurde.

So, das war unsere Zeit im kroatischen Istrien. Unaufhaltsam rollen wir weiter auf unserer 7-Länder-Tour ins nun schon 4. Land: Italien, erster Haltepunkt wird Triest sein.

Bis dahin grüßen euch eure unermüdlichen Weltenbummler

Barbara & Paul

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